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Altbau, Platte & Fensterbau

Kittfalz und Leinölkitt: wie alte Scheiben im Flügel sitzen

Wer ein Gründerzeitfenster genau ansieht, entdeckt am Rand der Scheibe eine feine, schräg verlaufende Linie aus erhärtetem Material. Das ist der Kitt, der das Glas im Holzflügel hält. Wo ein Fachbetrieb dafür gebraucht wird, vermittelt Hausi24 geprüfte Glaser-Partnerbetriebe.

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Geöffnetes Kastendoppelfenster im Altbau: Innenflügel aufgeklappt, dahinter der Außenflügel mit gesprungener Scheibe
Geöffnetes Kastendoppelfenster im Altbau: Innenflügel aufgeklappt, dahinter der Außenflügel mit gesprungener Scheibe

Was der Falz ist

Der Falz ist der ausgeklinkte Rand im Holz des Flügels, in den das Glas gelegt wird. Eine Seite stützt die Scheibe, die andere wird mit Kitt abgeschlossen. Dadurch sitzt das Glas fest, bleibt aber minimal beweglich, wenn sich das Holz bei Hitze und Feuchtigkeit dehnt.

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Bei Kastenfenstern aus der Gründerzeit können beide Flügelpaare so aufgebaut sein. Das erklärt, warum sich einzelne Scheiben austauschen lassen, ohne den Flügel zu zerlegen: Ein Betrieb kann den Kitt lösen, die Scheibe herausnehmen und eine neue einsetzen. Je tiefer der Falz, desto sicherer sitzt eine dickere Scheibe. Bei sehr alten Flügeln ist er flach, weil dort nur dünnes Glas vorgesehen war.

Woraus Leinölkitt besteht

  • Leinölkitt ist eine Masse aus Leinöl und feiner Kreide.
  • Frisch ist er knetbar, mit der Zeit härtet er an der Oberfläche durch den Kontakt mit Luft aus.
  • Er wird in den Falz gedrückt und glatt abgezogen, sodass er schräg vom Glas zum Holz verläuft und Regenwasser ableitet.
  • Ein Anstrich mit Farbe über den Kitt auf das Glas hinaus schützt ihn vor Austrocknung und dichtet den Übergang zum Glas ab.
  • Das ist Handwerk mit Erfahrung, nichts, was sich aus der Anleitung zuverlässig nachmachen lässt.
  • Das unterscheidet ihn von Silikon, das sich an alten Holzflügeln schlecht verträgt: Silikon haftet am Holz fest, lässt sich kaum überstreichen und erschwert spätere Reparaturen erheblich.
  • Wer Silikon am Glasrand entdeckt, weist den Glaser darauf hin.

Wenn der Kitt altert

Mit den Jahren wird Kitt spröde. Er reißt, bröckelt und löst sich vom Holz oder Glas. Dann dringt Wasser in den Falz, das Holz quillt, und die Scheibe verliert ihren Halt. Typische Zeichen sind Risse im Kitt, Lücken, eine klappernde Scheibe oder Feuchtigkeitsflecken am unteren Flügelrand.

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Bei Wind ist eine lose Scheibe hörbar, weil sie im Falz vibriert. Auch Farbabplatzungen am Rand des Kitts weisen darauf hin, dass Wasser den Anstrich unterwandert. Eine Scheibe in solchem Kitt kann bei Erschütterung oder Wind eher springen. Lassen Sie den Zustand deshalb prüfen, wenn Sie bei einem Kastenfenster bereits eine Scheibe ersetzen. Selbst daran herumzukratzen schwächt die Verbindung weiter. Ein einfacher Blick genügt, um den Zustand grob einzuschätzen: Ist der Kitt hell, glatt und bündig, ist er in Ordnung. Zeigt er Furchen, hat Farbe abgeblättert oder klafft eine Fuge zum Glas, ist die Erneuerung fällig.

Drücken oder Klopfen gegen die Scheibe ist dabei keine Prüfmethode, weil sie die Scheibe belastet.

Kitt und Glasbruch

Ist eine Scheibe zerbrochen, steckt oft noch Glas im Kittfalz. Das macht den Rahmen gefährlich: Splitter sitzen fest und lassen sich nur mit Werkzeug lösen. Wer daran zieht, kann sich verletzen und den Falz beschädigen. Ein Glaser kann den Kitt einschneiden, die Bruchstücke entfernen, den Falz reinigen und die neue Scheibe einsetzen.

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Danach wird neu verkittet. Der frische Kitt braucht Zeit zum Aushärten und wird später gestrichen. Bis dahin sollte der Flügel nicht belastet werden. Auch Staub, alte Kittreste und Farbkrümel liegen im Falz. Sie müssen sorgfältig entfernt werden, weil sonst die neue Scheibe nicht plan aufliegt und später durch Spannungen reißen kann. Das erklärt, warum ein Austausch nicht nur aus dem Einlegen einer Scheibe besteht.

Alternativen zum Kitt

  • Neben Leinölkitt gibt es Glasleisten, die das Glas halten, und Dichtprofile, wie sie bei Kunststoff- und modernen Holzfenstern üblich sind.
  • Bei Isolierglas ist der Rand meist verdeckt, hier hält eine Glasleiste die Einheit.
  • Welche Befestigung passt, entscheidet der Betrieb nach Flügel, Alter und Glasart.
  • Bei denkmalgeschützten Häusern spricht die Eigentümerseite mit.
  • Als Mieter melden Sie Schäden an der Verglasung der Hausverwaltung und überlassen die Ausführung dem Fachbetrieb.
  • In Gründerzeithäusern können unterschiedliche Generationen von Fenstern nebeneinander verbaut sein: Originalflügel, spätere Nachbauten und Fenster mit Nachkriegsverglasung.
  • Ein Glaser kann am Falz einschätzen, wie alt der Flügel ist, und Material und Verfahren danach wählen.
  • Ein Foto vom Rand der Scheibe hilft bei der Einschätzung vorab.

Wann der Glaser gefragt ist

Wenn Kitt bröckelt, eine Scheibe klappert oder Glas im Falz gebrochen ist. Ein Partnerbetrieb kann prüfen, ob der Kitt erneuert werden muss, und die Scheibe samt Falz fachgerecht instand setzen.

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